Wandertipp St. Urban – Melchnau (ca. 9 km / 2.5 Std.)

Vom sattgrünen Mittelland Richtung Schneeberge

Während der Grenzpfad Napfbergland im Bereich des Brienzer Rothorns oftmals bis weit in den Juni tief verschneit ist, spriesst auf der ersten Etappe zwischen Langenthal und Huttwil links und rechts des Grenzpfads längst üppiges Grün. Vom bernischen Langenthal führt der Grenzpfad zuerst ostwärts durch den Wald zur Klosteranlage St. Urban im Luzernischen; ein eher schattiger Abschnitt speziell geeignet für heisse Sommertage, wenn sich in den Tümpeln entlang des Grenzpfads sogar die europaweit gefährdeten Gelbbauchunken herumtummeln. Auch für sie wurde die Gegend rund um Langenthal zum Smaragd-Gebiet Oberaargau aufgewertet. Wer will, kann mit den kleinen Zugkompositionen der Aare Seeland mobil direkt nach St. Urban fahren, vor der Wanderung im Klostergasthaus Löwen einkehren und die imposante Klosteranlage samt Klosterkirche und darin das weitherum bekannte Chorgestühl besichtigen.

Die Klosteranlage St. Urban steht am Dreikantonseck Luzern, Bern, Aargau.

International bekannt ist das Chorgestühl. Es wurde im 19. Jh. verkauft und kam nach einer Odysee über Irland und Schottland erst anfangs 20. Jh. wieder nach Sankt Urban.

 

Von der Klosteranlage zu den Wässermatten

Die Wanderung geht anschliessend südwärts durch die gut erhaltene Klosterlandschaft und weiter zu den Klosterhöfen Sonnhalden und Ober Berghof. Die eindrücklichen Klosterhöfe sind Zeugen eines Sonderfalls der Schweizer Agrargeschichte und gleichen deshalb weder den Luzerner Bauernhäusern noch den Berner Höfen auf der gegenüberliegenden Talseite. Nach einem langen Hohlweg führt der Weg an den Fuss des Aussichtspunkt „Isehuet“. Von hier soll bereits der „Schmied von Göschenen“ in die Berge geblickt haben, als er im ausgehenden Mittelalter angeblich als Leibeigener in der berühmten St. Urbaner Ziegelmanufaktur arbeitete (laut historischem Roman von Robert Schedler). Nun führt der Grenzpfad hinab zu den idyllischen Rottaler Wässermatten. Dass diese bis heute bestehen, ist nicht nur der Grenzlage Luzern-Bern, sondern auch dem Scheitern des Bahnprojekts Langenthal-Wauwil-(Gotthard) in den 1870er-Jahren zuzuschreiben. Heute verbinden zumindest Busse das nahe gelegene Dorf Altbüron in verschiedene Richtungen mit der weiten Welt.

 Die Klosterhöfe bei St. Urban LU überraschen durch ihre imposanten Scheunen.

 Diese vier Jungbäume, fotografiert 2005, sind unterdessen zu einer „Baumkapelle“ zusammen gewachsen.

 Wandergruppe beim „Ober Berghof“, ein Klosterhof aus dem 18. Jahrhundert

 Auf dem Aussichtshügel „Isehuet“ soll der Schmied von Göschenen in die Alpen geblickt haben.

Die Rottaler Wässermatten blieben unter anderem dank der Grenzlage Luzern-Bern erhalten.

 

Burgruine Grünenberg: Klosterziegel am Originalstandort

Der Grenzpfad führt nun über eine kleine Brücke wieder in den Kanton Bern und für kurze Zeit steil hinauf zur Burgruine Grünenberg. Hier lebten zuerst die Herren von Langenstein, die den Zisterzienser Ländereien für das Kloster St. Urban vergabten. Kaum verwunderlich finden sich am Boden der ehemaligen St. Georgs-Kapelle noch heute Klosterziegel aus St. Urban. Dank guter Beleuchtung sind die Verzierungen bestens einsehbar, wie übrigens auch der 27 m tiefe Sodbrunnen. Als dieser ausgegraben wurde, fanden sich darin unter anderem Kuhknochen aus dem Mittelalter. Dass Kühe im Dorf Melchnau – es liegt direkt am Fuss des Burghügels - bis heute eine grosse Rolle spielen, zeigt die neu ausgebaute Käserei Melchnau. Neben Emmentaler AOP produziert sie neben Brunnenkresse-Käse auch grosse Mengen frischen Zigers, welche unter anderem mit Luzerner, Berner und Aargauer Dörrbirnen zur regionalen Spezialität „Zigerchrosi“ (ein Brotaufstrich) weiter verarbeitet wird. In Melchnau verwöhnen mehrere Restaurants die Wanderer, bevor die Busse der Aare Seeland mobil AG die Wanderer nach Langenthal zurück bringen.

 Unterhalb von Altbüron LU lädt ein Rastplatz bein den Wässermatten zum Verweilen ein.

 Die Herren von Langenstein und später von Grünenberg hausten früher oberhalb von Melchnau BE

 In der Burgkapelle St. Georg finden sich Klosterziegel aus St. Urban am Originalstandort.

Ausgrabungen bei der Burgruine Grünenberg zeigten, dass in Melchnau Viehzucht und Milchproduktion eine lange Tradition haben.